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AK Sprechende Vergangenheit

Der Arbeitskreis „Sprechende Vergangenheit“ erinnert mit seinen Veranstaltungen an die nationalsozialistische Vergangenheit der Stadt Jena. Auf gestalteten Stadtrundgängen, bei öffentlichen Diskussionsveranstaltungen, mit Vorträgen und Ausstellungen werden verschiedene Aspekte dieser Zeit thematisiert und zugleich die Geschichtslügen der Nazis demaskiert. Besonders die Stadtrundgänge zu authentischen Orten der Stadtgeschichte haben nachhaltige Wirkung, denn sie unterstützen die Bildungsarbeit schulischer Einrichtungen als offenes Angebot. Gegenwärtig arbeitet der Arbeitskreis an einem virtuellen Stadtrundgang („Vernetztes Gedächtnis“) zum Thema „Jena in der Zeit des Nationalsozialismus“, der auf die Homepage der Stadt Jena gestellt werden soll.

Am Wochenende 10.-12. April möchten wir mit einer Straßenaktion an den letzten Buchenwald-Todesmarsch erinnern, der vor 70 Jahren, in den Nachmittags- und Abendstunden des 11. April 1945 quer durch Jena getrieben wurde.

Wir suchen engagierte Mitstreiter, die uns für einige Stunden am Samstag, 11. April, zwischen 10 und 14 Uhr, bei einer Straßenaktion unterstützen.

Schon am Freitag, 10. April, werden zwei große Plakattafeln aufgestellt, die über den Todesmarsch informieren, an der Camsdorfer Brücke und stadteinwärts bei der Endhaltestelle der Straßenbahn.

Am Samstag, 11. April, zwischen 10 und 14 Uhr, wollen wir an fünf bis sechs verschiedenen Stellen entlang der Karl-Liebknecht-Straße in Jena-Ost „lebendige Informationstafeln“ postieren; das sind Mitwirkende, die mit einer tragbaren Informationstafel auf den Todesmarsch aufmerksam machen und in kurzen Textlesungen, aus zeitgenössischen und aus Erinnerungsberichten, über das informieren, was genau am jeweiligen Ort vor 70 Jahren geschehen ist: 

Für ein paar Stunden also „Sprechende Orte“ im Straßenbild von Jena-Ost.

An jedem dieser Orte sollen sich kleine Gruppen zu 2-3 Personen mit ihren Schildern und Informationen postieren. Vielleicht kann eine weitere „mobile“ Informationsgruppe die Straßenbahn auf der Strecke nutzen.

Flyer DownloadDas ehemalige KZ Ohrdruf wurde im November 1944 als Außenkommando des KZ-Stammlagers Buchenwald eingerichtet (Deckname SIII), mehrere Monate auch als eigenständiges KZ geführt, bestehend aus Nord- und Südlager sowie zwei weiteren Lagern in Crawinkel und Espenfeld. Mehr als 11000 Häftlinge verschiedener Nationen aus Buchenwald und vielen anderen NS-Lagern mussten unter qualvollen Bedingungen als Zwangsarbeiter im Jonastal ein riesiges Stollen-System in den Berg treiben, als mögliches „Führerhauptquartier“, als letzte Bastion der NS-Führungsclique, als Basis zur Fortführung des Krieges ... Es war ein mörderisches Programm der Vernichtung durch Arbeit, von Krankheit und Tod. In den Lagern starben in den wenigen Monaten mindestens 3000 Menschen, viele starben auf den Evakuierungsmärschen Anfang April 1945 zurück nach Buchenwald und von dort aus weiter. Die US-Armee fand bei ihrer Eroberung des Nordlagers am 4. April 1945 eine große Zahl erschlagener und verhungerter Häftlinge, nur wenige Überlebende. Es war der Ort, an dem die US-Armeeführung erstmals das ganze Ausmaß der NS-Verbrechen mit eigenen Augen sehen konnte.

Datum: Samstag, 12. April 2014

Programm:

08.00 Uhr Busbahnhof Jena; 8.15 Uhr Göschwitz, Bushaltestelle bei der Kirche
09.00 Uhr

Erinnerungsort 1: Arnstadt„Geschichtsinsel im Lokschuppen“ des Jonastalvereins; Einführung zum Komplex „SIII/Jonastal“ durch Klaus-Peter Schambach, Autor des Buchs „Tatort Jonastal“

10.00 Uhr

Erinnerungsorte 2/3: Weiterfahrt zum ehemaligen Lagerbereich Espenfeld und zum Denkmal im Jonastal

11.30 Uhr

Crawinkel, Gemeinschaftshaus „Alte Mühle“: Lichtbildervortrag von Klaus-Peter Schambach

12.30 Uhr Mittagsimbiss in der „Alten Mühle“, danach Gelegenheit zum Rundgang durch das Heimatmuseum
13.45 Uhr Neonazis in der Region – Gespräch mit Stefan Heerdegen, Mobit Thüringen e.V., und Vertretern des Crawinkler Bürgerbündnisses für Demokratie
14.45 Uhr Dokumentationsfilme
15.30 Uhr Erinnerungsort 4: Das „Compiègne-Waggon“-Denkmal am Bahngelände Crawinkel
16.00 Uhr Erinnerungsort 5: Besuch beim ehemaligen „Nordlager, beim ehem. KZ-Massengrab und dem Obelisken auf dem heutigen Bundeswehrgelände Ohrdruf
17.30 Uhr Rückfahrt nach Jena - Rückkehr ca. 18.45

 

Kosten: 

Die Tagesfahrt wird von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert. Es wird keine Teilnahmegebühr erhoben, wir bitten aber um eine Spende zur Deckung verbleibender Kosten. Mittagsimbiss u. Eintritt sind im Programm enthalten.

Anmeldung:

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Wenn Sie an der Tagesfahrt teilnehmen wollen, melden Sie sich bitte verbindlich an. Hier geht es zur Online-Anmeldung.

Sie erhalten dann eine Bestätigung Ihrer Anmeldung sowie eine Woche vor dem Termin aktuelle Informationen zur Tagesfahrt.

Mahngang am 30.1.2013Unter dieser Überschrift wird der „Arbeitskreis Sprechende Vergangenheit“ am 30. Januar 2013 an die Machtübergabe an Hitler und seine Nazipartei erinnern. An verschiedenen Stationen wollen wir zeigen, was für tiefgreifende Änderungen damit auch für Jena verbunden waren, welche menschlichen Beschädigungen und tödliche Folgen das hatte.

Wenn wir diesen Mahngang am Rand des Stadtkerns beginnen, an der Ecke Zwätzengasse/ Saalbahnhofstraße und nicht auf dem Markt vor dem Rathaus, so verweisen wir darauf, dass der politische Machtwechsel, dass die Beseitigung der Demokratie nicht nur den politisch-öffentlichen Raum prägten, sondern weit in die einzelnen Familien hinein wirkten und furchtbare Konsequenzen nach sich zogen. Wir beginnen mit der Erinnerung einer 86jährigen NewYorkerin, die als Kind vom Fenster des Hauses Saalbahnhofstraße 15 den Nazi-Fackelmarsch am Abend des 30. Januars 1933 verfolgte. Weitere Stationen des Mahngangs sind Zwätzengasse, Fürstengraben 6, Uni-Hauptgebäude, Markt und Rathaus, Johannisstraße, das ehemalige Zeiss-Gelände (Campus) und das Gewerkschaftshaus – mit jeweiligen kurzen Informationen zu „Jena unterm Hakenkreuz“. Viele Menschen, auch in Jena, haben damals die Konsequenzen des Januar 1933 noch nicht geahnt oder nicht wahrhaben wollen, haben den Nazi-Spuk noch nicht ernst genommen. Wir wissen es heute besser.




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