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Schon vor den Ostertagen mehrten sich die Anzeichen, dass die rechtsradikale Szene deutlicher in Erscheinung tritt.  Es mochte zunächst den Anschein erwecken, vorwiegend jugendliche rechte Akteure übten sich in pubertären Mutproben. Dazu gehören die Anschläge auf die JG und regelmäßige Flyer- und Stickergewitter in der Jenaer Innenstadt. Doch nicht erst mit den Übergriffen auf alternative Jugendliche im Paradies-Park am Osterwochenende gewinnen diese Aktionen politische Dimension. Die zunehmende, unverhohlene und trotzdem fast unwidersprochene Präsenz von Nazis, die sich von den Randgebieten ins Zentrum der Stadt ausbreitet, schafft Angst und Verunsicherung. Erschreckend ist die Zahl von Nazis, die offensichtlich innerhalb kurzer Zeit aktivierbar sind. Nicht hinzunehmen ist die Existenz von Angsträumen mitten in Jena.
In der Lokalpresse gab es wenig Erhellendes dazu zu lesen. Wir dokumentieren an dieser Stelle eine Pressemitteilung der Jugend- Aktions- und Projektwerkstatt Jena:

Am späten Dienstagabend schlugen Neonazis im Jenaer Paradiespark zwei junge Punks brutal zusammen. Dabei wurde ein Minderjähriger so schwer amKopf verletzt, dass er sich seit dem in stationärer Behandlung im JenaerKlinikum befindet. Die Polizei, die den Vorfall noch am Abend am Tatort aufnahm, hüllt sich in Schweigen.

Zeugen berichten, dass etwa 10 bis 15 Neonazis auf die Jugendlichen einschlugen. Der Grund dafür, dass einer von ihnen heute noch schwerverletzt im Krankenhaus liegt, ist, dass sein Äußeres nicht in das einfältige Weltbild der Rechten passt. Wie bereits bei dem Überfall am Karfreitag wurde die Polizei zu der Auseinandersetzung im Paradies gerufen. Etwa 40 Rechte hatten da gegen 21:30 Uhr eine Gruppe alternativer Jugendlicher angegriffen und drei von ihnen verletzt. Die Polizei verschweigt, dass mindestens einer von ihnen mit einem Messer durch die Nazis am Bein verletzt wurde.
In ihren Stellungnahmen vom Mittwoch zu den Auseinandersetzungen am Ostermontag auf dem Holzmarkt, bei denen eine linke Spontandemonstration, die sich gegen rechte Gewalt richtete, auf eine Gruppe Nazis traf und in Folge der ausgebrochenen Auseinandersetzung auch der Außenbereich des "Eiscafè Riva" in Mitleidenschaft gezogen wurde, unterschlägt die Polizei, dass es am Dienstagabend zu einem weit schlimmeren Vorfall mit einem Schwerverletzten gekommen war. Dieser ereignete sich nicht unter den Augen zahlreicher Passanten undPassantinnen und betroffen war damit offenbar auch nicht, wie beim Scharmützel am Montag, der gute Ruf Jenas. Augenscheinlich sieht die Polizei, die sich ohnehin schwer tut die Ursache der Ereignisse in der nicht enden wollenden Gewalt von rechts zu sehen, keinen Grund auf das brutale Vorgehen der Neonazis aufmerksam zu machen, kommentiert Franka Heßler, Sprecherin der JAPS Jena. In den letzten Wochen kam es vermehrt zu gewaltätigen Aktionen der extremen rechten Szene, wie etwa die Angriffe gegen das "Grüne Haus" Und die "Junge Gemeinde". Die JAPS beobachtet, dass sich Jenas Nazis von der biederen NPD lösen und sich zunehmend der Kameradschaftsszene und deren meist subversiven und militanten Aktionen zuwenden. Durch die Gleichsetzung von Linken und Nazis als "Chaoten" fühlen sich Opfer von Nazigewalt nicht ernstgenommen. Neu ist das nicht: In den letzten Wochen informierten mehrere Jugendliche die JAPS und JG über rechte Gewalttaten. Anzeige bei der Polizei wollen sie nicht erstatten. Dort werde man oftmals nicht ernst genommen oder sogar wie die eigentlichen Schuldigen behandelt und Ermittlungen würden eingestellt, berichten die Betroffenen. Die JAPS chronologisiert die Übergriffe: So wurde vor etwa 2 Monaten ein Minderjähriger an der Griesbrücke von Rechten verprügelt, vor 14 Tagenwurde im Paradiespark ein Jugendlicher mit Rasta-Frisur von Neonazisangegriffen. Am 7. April warfen etwa 10 Rechtsradikale am Westbahnhofmit Flaschen nach linken Jugendlichen. In der Nacht des 11. April wurde ein 15jähriger Jugendlicher von einem etwa 30 bis 35jährigem, der eine Jacke der rechten Marke Thor Steinar trug, in einer Straßenbahn Richtung Zwätzen mehrfach ins Gesicht und gegen den Hinterkopf geschlagen. "Der öffentliche Umgang mit rechter Gewalt und neonazistischem Gedankengut ist in Jena leider nicht von der Weltoffenheit und Zivilcourage geprägt, die die Stadt gern vermitteln möchte. Es wird im Alltag zu viel weggeschaut. Dies schließt auch die Polizei nicht aus, die rechte Gewalttaten verschweigt oder verharmlost.", kritisiert die JAPS.


Siehe auch: Wir weichen kein Stück! - Artikel auf jena.antifa.net



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