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An 18. Juni 2011 wurden zum letzten Mal Stolpersteine in Jena gesetzt, dann ist wahrscheinlich an alle jüdische Menschen aus Jena, die in der Nazi-Zeit ermordet wurden bzw. über deren Schicksal wir etwas wissen, erinnert. Die Steine, zur Zeit 28, wurden bisher jeweils von Einzelpersonen, Gruppen, Schulen etc. gestiftet und in den Jahren 2007 bis 2010 vor 14 Jenaer Häuser gesetzt (Übersicht [PDF]).

Das Jenaer Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus hat im Maiplenum beschlossen, die Patenschaft für einen der sechs Stolpersteine zu übernehmen. Es wird dies der Stolperstein für Bertha Kiewe in der Zwätzengasse 14 sein.

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Fußweg einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

 

Bertha Kiewe, geb. Anschlewitz, verw. Geist (1890-1942)
Martin Kiewe (1891-1942)

Der Kaufmann Martin Kiewe stammte aus Schlesien und wohnte in Berlin, als er die aus Leipzig stammende Witwe Bertha Geist 1926 in Jena heiratete. Das Ehepaar wohnte dann in der Zwätzengasse 14 und betrieb dort ein Textilgeschäft. Wie anderen jüdischen Geschäftsinhabern auch wurde ihnen 1938 ihr Geschäft weggenommen und „arisiert“. Mit einem großen Transport aus Thüringen und Sachsen erfolgte am 10. Mai 1942 ihre Deportation nach Polen in den kleinen Ort Belzyce. Am 13. Oktober 1942 wurde das Ghetto von der SS geräumt, Bertha und Martin Kiewe sind wahrscheinlich dabei umgebracht worden.

 

Max Grossmann ( 1877-1938)

Max Grossmann Max Grossmann wurde als Sohn eines jüdischen Arztes in Bielitz geboren. Er studierte an der Technischen Hochschule in Darmstadt Elektrotechnik. Seit 1909 arbeitete er in der Firma Otto Schott auf dem Gebiet der elekrolytischen Zählerfabrikation. 1921 bezog er mit seiner Frau und den beiden Söhnen das Haus Forstweg 31. Am 10. November 1938, nach der sogenannten „Reichskristallnacht“, wurde er, wie andere jüdische Bürger von Jena auch, in das KZ Buchenwald deportiert. Dort wurde er am 21. November umgebracht.

 

Martha Walter (1900-1942)
Alfred Walter (1894-1942)

Martha Walter Alfred_Walter

Martha Walter wurde in Jena als Tochter des Darm- und Fellhändlers Hermann Friedmann geboren, Alfred Walter stammte aus Rudolstadt, wo er Inhaber eines Zigarren- und Wettgeschäfts war. Seit 1938 wohnte die Familie zunächst im Haus des Schwiegervaters, dann in der Scheidlerstraße 3. 1942 mussten sie dieses Haus verlassen; sie wurden in das Waggon-Lager in der Löbstedter Straße 56 eingewiesen. Alfred Walter wirkte als Vertrauens-mann der Juden von Jena. Am 10. Mai 1942 wurde das Ehepaar nach Belzyce deportiert, wo sich ihre Spur verliert.

 

Gitta Reinhardt (1891-1943)

1908 kam sie mit ihren Eltern aus Lowicz (Polen) nach Chemnitz. Ihr Vater hatte in Polen eine Schule für jüdisGitta Reinhardtche Buben geführt und war Kantor an der heimatlichen Synagoge gewesen. Gitta lernte an der Stickerei-Fachschule in Plauen Maschinensticken. Sie lebte dann mehrere Jahre bei ihrer Schwester Rosa in Berlin. 1920 heiratete sie den nichtjüdischen Drucker Fritz Reinhardt und wohnte seitdem in Jena. 1922 wurde die Tochter Margot geboren. 1930 verstarb ihr Mann, seither fehlte ihr jeder Schutz. Mehrfach wurde ihr wegen ihrer jüdischen Herkunft die Wohnung gekündigt. Im Dezember 1942 wurde sie aus ihrer Wohnung verschleppt und am 2. Mai 1943 in Auschwitz umgebracht.




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