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RfD_Banner_Eis_prevMit zahlreichen Sitzblockaden haben Gegendemonstranten am 10. Juli das Nazi-Konzert "Rock für Deutschland" in Gera massiv gestört. Zusammen mit hunderten Menschen aus vielen anderen Städten sind die Geraer auf die Straße gegangen, um gegen das Nazi-Spektakel zu protestieren. Schon früh am Morgen saßen viele der insgesamt über 1000 Teilnehmer auf dem glühend heißen Asphalt und harrten stundenlang aus, um die Zufahrtswege zur sogenannten "Spielwiese" zu blockieren. Die Polizei hatte Mühe, die Neonazis dennoch zu ihrem Veranstaltungsort zu bringen - lauter Protest begleitete die Rechtsextremen, als sie, nur durch eine dünne Polizeikette von den Gegendemonstranten getrennt, über die Heinrichsbrücke die Weiße Elster passierten.

Die achte Auflage des politischen Nazi-Konzerts "Rock für Deutschland" war in Sachen Teilnehmerzahlen ein herber Rückschlag für die Szene. Hatten im Vorjahr dank des Mythen umwobenen Ex-"Landser"-Sängers Michael "Lunikoff" Regener noch über 4000 Rechtsextreme die Otto-Dix-Stadt Gera heimgesucht, waren es an diesem heißen Julitag nur rund 1000. Deren Konzert zu verhindern, ist zwar nicht gelungen. Aber die öffentliche Kampagne sowie Aufrufe von Initiativen, Antifa-Gruppen und einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis dürften schon im Vorfeld viele potentielle Teilnehmer abgeschreckt haben. Schließlich hat die rechte Szene in diesem Jahr schon mehrere Niederlagen einstecken müssen, die bitterste wohl im Februar, als ihr sogenannter "Trauermarsch" durch Dresden von tausenden Menschen trotz eisiger Temperaturen mit entschlossenen Sitzblockaden verhindert worden war.

In Gera hat der geringe Widerstand gegenüber Aktivitäten der rechtsextremen Szene in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die Nazis sich in Ruhe ausbreiten und mit ihrem "Rock für Deutschland" die Stadt zu einem Anziehungspunkt für Anhänger aus ganz Deutschland etablieren konnten. Wenn diesem Trend nicht in den kommenden Jahren Einhalt geboten wird, dürfte sich in Gera zunehmend eine rechtsoffene Gesellschaft entwickeln, in der nationalsozialistische Einstellungen nichts Ungewöhnliches mehr sind. Soweit sollte man es nicht kommen lassen. Ein wichtiges Zeichen zur Umkehr haben die Geraer mit ihrem monatelangen Engagement und den Sitzblockaden vom 10. Juli gesetzt. Rechtsextremismus und Rassismus auch im Alltag zu erkennen und ihnen entgegenzutreten, sollte auf lange Sicht das Ziel sein - in Gera, aber auch überall sonst.




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